Arne Fischer: Achterbahn | 2013

Sandkastenspiele, Menschenschieber und die Manie des Wuchers

Als die Soldaten gegangen waren und nicht mehr Panzer den Übungsplatz durchpflügten, da kam die Natur zurück. Fledermäuse hausten in den Giebeln der ehrwürdigen Kaserne und keine Maus mußte mehr vor dem Knallen der Stiefel erschrecken. Ein Löwenzahn brach durch den Beton der Panzerstraße, Frösche quakten im Sumpf ehemaliger Schützengräben.
In das Land, welches wieder zu atmen begann, wird jetzt Ladung um Ladung Menschenmaterial der Globalisten ausgekippt. 4.000 Menschen, frei geboren, voller Hoffnungen der liebenden Eltern allein und dann in der Seele verheert durch die großen Verneiner, die alle ihre Verachtung gegenüber der Schöpfung wild ausleben und denen die Kreatur nichts als Kriegsspielzeug bedeutet. 4.000 Menschen allein in einer Kaserne. Sandkastenspiele in wüster Ersatzreligion.

Arne Fischer: Gebundenes Feuer | 2014

Arne Fischer: Gebundenes Feuer | 2014

Als der Club of Rome im Jahre 1972 seine Studie „Die Grenzen des Wachstums“ veröffentlichte, waren die Spieltheoretiker noch in den Sandkästen des Kalten Krieges zuhause und konnten sich dort warmen Gedanken und heißen Phantasien hingeben.
Diese Studie stand nicht am Anfang, sondern mitten in einer schon viel älteren Diskussion darüber, wie Liberalismus, Vermassung und Materialisierung von Mensch und Geist sich entwickelten: zu einer Alplast für die Erde. Diese tiefgreifende Kritik an einer Welt, die als zivisilationskrank wahrgenommen wurde, erstickte alsbald in den Bewegungen eben genau der materialistischen Ersatzreligionen, die das Dingliche zum Ideal und das Ideal zu vernichtenswürdiger Schwärmerei machte. Nationalsozialismus, Bolschewismus und Kapitalismus: Drei hässliche Schwestern verbrannten die Erde, opferten die Kreatur und den Geist. Und noch in ihrem Alter, wo sie heute, auf fauligem Stroh, wie böse Erinnerungen noch die Welt entstalten, wollen selbst in der Agonie die kralligen Hände nicht von der Beute lassen.

Aber seit den frühen 70er Jahren gab es in der Welt durchaus befreite Hirne.
Nicht selbstbefreit und daher war diese ‚Freiheit‘ durch die Befreier in einen gewissen Dienst gestellt, aber auch ein Besen kann manchmal seines Zauberlehrling Meister werden.

In einer breiten ökologischen Bewegung, der sich Natur- und Volkswissenschaftler fakten- und kenntnisreich in den Dienst stellten oder der Sache anschlossen, wurden breit und fundamental die Fragen gestellt und gewagt zu beantworten: Ist der Wachstumszwang so systemisch und ist das System so wucherungsaffin, daß nur die Änderung des Systems sein krankhaftes Wuchern im exponentiellen Wahn beenden könnte?

Arne Fischer: Heimat | 2014

Arne Fischer: Heimat | 2014

Diese radikale, wurzelbewegte Frage konnte aber nur stellen, wer empfinden konnte und wollte, daß grenzenloses Wachstum nur durch Wegnahme und Zerstörung ging. Und stören hieran konnte sich nur, wer in dem Entstandenen eine Ordnung und in diesem „Ordo“ etwas erhaltenswertes erkannte.

Wieder einmal war der, die Schöpfung im weitesten Sinne bejahende, Mensch in der Ecke der Verteidigung. So wie der Nationalist nur dadurch ein solcher wird, weil der Imperialist die natürliche Ordnung und das Zusammenleben gewaltsam stört und beherrschen will, so versucht der Konservative zu bewahren, was in seiner Natürlichkeit und Lebensbejahung sein Lebensrecht erstritten und – im wahrsten Sinne – erLEBT hat, und welches erst durch die zerstörerischen Elemente menschlichen Denkens und Handelns bedroht wird.
Der Bewahrer nimmt seine Um- und Mitwelt wahr, erfühlt und erlebt sie. Wird diese seine Welt, die er nicht wie der Bohemien nihiliert, sondern im tiefsten Empfinden annimmt und ihr ein Ja! entgegenruft, wird diese Welt bedroht oder angegriffen, wird er hierauf reagieren.
Nicht umsonst sind die drei großen Verneiner gegen diesen einen Feind vereint und Kriegsgenossen: Die Reaktion. Die Festhalter an der Ordnung, die sie selbst zugrunderichten müssen, damit ihr Nein! wuchern kann.

Diese ökologische Bewegung war fast durchweg bejahend und auch in der Lage, die Enthaltung von Wucher vorzuleben und sichtlich, wie erkennbar glücklich zu sein.
Es ist weniger ein Treppenwitz der Geschichte, als trauriges Exempel, wie das System sich mit seinen Automatismen gegen diese Todfeinde im schlichten Gewande der Bewahrer wehrte: Besonders geeignete Typen aus den Ideologien, denen die Umwelt und Mitwelt nicht Schnuppe, sondern verhasstes Vernichtungsfetisch war, entschieden bewußt und eiseskalt klar, daß die Bewegung dieser naturnahen Schwärmer zur unterlaufen und durchdringen sei und dann, im Zuge innerer Zersetzung , zu überführen in den mechanistischen Schoß materialistischer Bejahung des Nein.

Es gelang. K-Gruppen waren die Speerspitze in den Rücken derer, die naiv an der klaren Quelle sich labten. Wer sich wehrte, wurde von der Presse, selbst durch und durch von der Avangarde der Zersetzer geführt, niedergeschrieben, die große breite Masse derer, – die es für das Leben ohne Wucher zu gewinnen hätte gelten können -, wurde mit der besten Nahrung gefüttert, die das System zu bieten hatte: der exponentiellen Konsum nie zu befriedigender Bedürfnisse ohne Erfüllung. Lust ohne anhaltenden Lustgewinn und Befriedigung.

Arne Fischer: Freiheit | 2014

Arne Fischer: Freiheit | 2014

Die Kriege und Krisen der letzten 15 Jahre haben die Menschen aus den Restaurants mit ‚internationaler Küche‘ vertrieben und in großer Zahl einer Restaurationsbewegung gegenüber zugänglich, offen gemacht.
Sehnsucht nach Frieden, nach etwas Heilem und Heiligkeit. Die im Materiellem zugestopften Seelen nutzten die kurzen, undinglichen Atemzüge einer materiell einschneidenden Rezession der Wirtschaft für diesen kleinen Moment – und atmeten plötzlich frei, witterten klare Luft.
Sofort aber reagierte das System und druckte Geld, um denen das Maul zu stopfen, die nach Luft rangen.

Weltweit forderten Menschen, starke Gemeinschaften bildend, ein Ende des Wuchers, ein Ende seiner Kriege und der Zerstörung, Vernichtung. Ein Ende der Angst und Verängstigung.
Die Reaktion agierte: Der niedrige Zins konnte den Zinsdruck doch nehmen und den Zwang zum exponentiellen Wachstum und der gefräßigen Zerstörung beenden.

Doch wieder regiert das System: Faschismus, Bolschewismus und Kapitalismus – in ihrem Verfallsprozeß zu einem schmierigen Klumpen verschmolzen – treiben den Wucher nun ins Wahnwitzigste: Der Mensch wird zu millionenfacher Verschiebemasse – bald dorthin, bald hierhin getrieben, gelockt, geschoben und geworfen – und überall dort, wo die Menschen frei zu atmen begannen, klebt man ihren Lebensraum mit Wucher zu.

Krisengewinnler, Probleme, Ängste in der Fremde und vor dem Fremden: alles mechanistisch und von kühlen Spieltheoretikern errechnet, eingesetzt und von ihren Herren genutzt.

Empört Euch, Verdammte dieser Erde!

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *