Hans-Werner Sinn: Es geht darum zu verhindern, daß unsere Kinder zu Gläubigern der südlichen Länder werden.

Professor Hans-Werner Sinn ist sicher kein Leisetreter und Duckmäuser. Neuerdings exponiert wer sich aber mehr und deutlicher in kritischer Position gegenüber dem Mainstream. Und er weiß die Mehrheit der Fachleute und mit ihnen auch der Bevölkerung hinter sich (wo – bei einem Wissenschaftler wie ihm – Zweiteres sicher nicht die Ergebnisse seine Analysen beeinflussen würde). Umso schärfer wird er aus den Reihen der systemerhaltenden Ökonomen und situierten Parteien scharf angegriffen.

So schämte sich  Gustav Horn, Direktor des Institutes für Makroökonomie und Konjunkturforschung, nicht zu schreiben, daß Professor Sinns „Analysen in der Regel… in einem national chauvinistischen Ton daher kämen.“  (Handelsblatt) Nun weiß der kritische Beobachter ja schon seit längerem woher der Wind weht, wenn diese Keule geschwungen wird. Bilderberger und Euro-Bond Trittin: „Statt präziser Analyse werden dumpfe Ressentiments bedient. Diese Stammtischökonomen braucht Deutschland nicht.“ (Die Welt)

Umso vornehmer und klarer geht Sinn mit dem Thema um – nicht ohne zu zeigen, daß er die Mechanismen des Systems erkannt hat. Erstaunlich bleibt. wie klar er es auch ausspricht:

Alfred Schier: Jetzt ist all das, was Sie in der letzten halben Stunde gesagt haben, sehr gut nachvollziehbar und sehr, sehr schlüssig. Aber ich hätte dieses Gespräch ja jetzt auch führen können mit Peter Bofinger, immerhin Mitglied des Sachverständigenrates oder Gustav Horn, Chef eines gewerkschaftsnahen Instituts, der hätte mir in wesentlichen Fragen genau das Gegenteil gesagt. Der hätte gesagt, die hätten mir gesagt, Griechenland muß im Euro bleiben, die Bankenunion ist richtig, und Deutschland muß mehr Solidarität zeigen. ‚Hier steh‘ ich nun, ich armer Thor und bin so klug als wie zuvor.‘

Hans-Werner Sinn: Na gut, zu diesem Zweck, um hier festzustellen, was die Fachmeinung ist, sollte man nicht dem folgen, was die Medien da herauspicken an Ökonomen aus dem breiten Spektrum der Meinungen – da findet man immer Leute mit anderer Meinung, sondern auf das ‚Ökonomen-Plenum‘ schauen. Das ist eine Plafform, zu der sich die Fachökonomen zusammengefunden haben und da wird zu solchen Fragen eine mehrheitliche Entscheidung getroffen,  festgestellt. Und vor kurzem hat dies Ökonomen-Plenum zu dieser Krisengeschichte festgestellt, daß wir unter keinen Umständen zum Beispiel die Bankenschulden in Südeuropa sozialisieren sollten, sondern daß wir die Banken rekapitalisieren müssen in dem die Gläubiger, die Kredit gegeben haben, also auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, daß man diese Forderungen in Eigenkapital umwandelt.
Ich würde mal solche Informationen zu Rate ziehen, um einen Überblick zu kriegen, was die Fachökonomen wirklich meinen und mich nicht darauf verlassen, was durch die Selektion der Medien unter den Professoren unseres Faches herausgepickt wird.
Ich kann immer durch geschicktes Herausfiltern von Meinungen ein beliebiges Bild einer Profession, der Meinung einer Profession erzeugen. Da kommen wir nicht weiter.

Auch sonst sehr zu empfehlen: Die Mediathek des Ifo-Institutes, München

 

„Ich mache den Unterschied zwischen Europa und dem Euro.“ Ein mutiger Manager.

Im Rahmen eines Gespräches mit  Sigmund Gottlieb und Marc Beise  am 2.12.2012 im Forum Manager bei phoenix äußerte sich der Vorstandsvorsitzende der Linde AG außerordentlich kritisch zur Euro-Rettungspolitik.

Das ganze Gespräch ist sehens-/hörenswert. Außerordentlich interessant ist jedoch der Abschnitt ab der ca. 32. (31:35) bis ca. 56. Minute.

Zum Abschluß zeigte sich Marc Beise von der SZ unverholen:

Marc Beise:  Was glauben Sie, was Ihre Kollegen Spitzenmanager der anderen Konzerne, die Sie vorhin beschrieben haben in allen ihren Nöten, Ihnen nach der Ausstrahlung dieser Sendung sagen werden?

Wolfgang Reitzle: (lächelnd) Die werden mir unter vier Augen sagen, daß sie das Gleiche denken.

Marc Beise: Das werden wir jedem von denen vorhalten in Zukunft. (Gottlieb: so ist es genau!) „Wir glauben Ihnen kein Wort! Wir wissen von Herrn Reitzle, daß Sie das so sehen wir er.“

Allerdings war Reitzle 2012 auch Teilnehmer an der Bilderberg-Konferenz (nach 1992 und 1993). Seine bisherigen Äußerungen und auch sein unternehmerisches Wirken zeigen ihn allerdings nicht als typischen Vertreter der globalistischen Machtelite oder Raubtierkapitalisten. Nach diesen Sätzen wage ich die Prognose, daß Reitzle künftig nicht mehr zu solchen Treffen eingeladen wird.