Grenzgang

Frische Nehrung, Ostpreußen im Juli 1989

War es mehr als ein Grenzgang,
hinterlassend nur Spuren im Sand der Düne,
auf ihrer ‚erzwungenen Wanderung‘ durch die Zeit?

Rüttelte ich wirklich an den Maschen des Drahtes,
das Land, mein Land zerreissend
mit rostig kaltem Schnitt?

Badete ich gar in den Fluten,
auch das verboten von den Räubern,
Rechts und Links des Zaunes?

Mir verboten nur, weil ich nicht auch Räuber
wie sie und frech, sondern frei,
hier, mit Haff und Nehrung und Schicksal im Rücken.

Die Spuren im Sand sind verweht,
der Zaun, er zerreist es noch,
das geschundene Land.

Was, nur was wollen jene mit Dir,
das Du die Ewigkeit rauschest,
was wollen Sie mit ihrem Zaun in Dir?

Nur weil Du so schön,
mißhandeln Sie Dich,
wie’s nur Niedertracht an hohem Mut vermag.

In Memoriam des Landes, das der Feind verboten und aufgelöst hat und in tiefer Trauer, daß wir es uns verbieten ließen, mit der schwefligen Wichse an der Zunge von den Stiefeln, die wir lecken.