Sprache ist Denken. Halt.

Konrad Lorenz hat sein langes Leben lang das Verhalten der Gänse studiert. Auch deren Sprache.  Letztenendes konstatierte er, daß er nun sein Leben lang die Sprache der Gans erforschen wollte, nur um dann am Ende festzustellen, daß sie (die Gänse) von Morgens bis Abends nichts als dummes Zeug schnattern.

Nun gilt Lorenz als der Vater der vergleichenden Verhaltensforschung (Ethologie) und eines ausgesprochenen Humors. Und einer seiner Lieblingssprüche war das alte, chinesische Sprichwort:

„Es steckt viel Tier im Mensch, aber nicht aller Mensch im Tier“.

Womit wir wieder bei dummen Gänsen wären.
Ich muß entäuschen: mir geht es hier nicht um die Hyänen, die mit Entsetzen Scherz treiben.

Also, hier geht es nicht um Sexismus. Hier geht es u.a. um Descartes‘ „cogito ergo sum“ und vor allem Parmenides‘ „Sprache ist Denken“.

In der Jugend liegt Kraft, Idealismus, Aufbruch. Ihre Aufgabe ist die Umwerfung des Status, ohne langes Grübeln über das Quo. Ihr Tun (nicht Unterlassen) führt eine Neuordnung herbei. Nicht, daß das ihr Ziel wäre. Nein, nichts weniger als das. Und in diesem Stürmen und Drängen, vor Begehren, Wünschen und Wollen überquellenden Herzens, entwickelt sich eine Welt weiter. Hin zu Gemeinsinn, hoch zu einem edleren Geschlecht, hinauf zu gerechterem Dasein.

„Krass. Ey, was hat der denn? Status Quo, das war’n doch, na ja, halt die mit „You’re in the army now“ und so, ich meine halt diese Rockgruppe. Aber, ich bin nicht sicher. Halt weil das ist schon, na halt länger her und so. Und auf Wii 2 gibt’s da eben noch halt keine App und so. Deswegen, na ja. Ist ja egal und so. Ist halt anders. Ich hab da was gegen. Halt gegen gemein und so. Und gemein ist man halt immer zu den Opfern und so. Und zu sagen Gemeinsinn ist halt voll fiese. Weil, da gibt man ja halt den Opfern einen Sinn. Also halt, ich meine, daß das Sinn macht, gemein zu sein und so. Halt.“

Sprache ist Denken. Und wenn nicht nur die Jugend, sondern mittlerweile – Stichwort Infantilisierung der Gesellschaft – auch die nicht erwachsen werdenden, bzw. werden wollenden ‚Großen‘ ihre – zumeist ohnedies nicht vor Tiefsinn triefenden Ausflüsse – ständig mit „halt“ garnieren, dann ist das ein doppelplus klares Zeichen dafür, daß sie dabei sind, ihr Weiterkommen, ihre Weiterentwicklung zu bremsen, zu „halten“. Denn wie das eigene Denken die Sprache formt, formt die Sprache auch Denken und mithin die eigene Persönlichkeit des sie führenden.

Das ist eine Wechselwirkung, die mitnichten unterschätzt wird. Oh, wahrlich nicht.
Das Miniwahr und alle seine willigen Vollstrecker in den Medien, Bildungseinrichtungen und Schulbuchkommissionen wirken auf ihre Weise.

Ist halt so.