Alan Rickman. Der Charakterschauspieler. Die Stimme. Er ist tot.

_ein persönlicher Abschied von Jana van Diepenbrock

Alan Rickmans Familie bestätigte heute, am Donnerstag, seinen Tod. Er sei umgeben von Familie und Freunden verschieden. Er litt an Krebs. Der Krebs besiegte Alan Rickman, alias Hans Gruber (Stirb Langsam), alias Col. Brandon (Sinn und Sinnlichkeit), alias Professor Severus Snape (Harry Potter – Saga).
Alan Rickman war für mich der Charakterschauspieler überhaupt. Er war ein Künstler. Nicht nur als Schauspieler mit seiner Mimik, Gestik, seiner unverwechselbaren Stimme und Art zu sprechen – wie nur er es konnte. Nein, Alan Rickman war talentierter Maler, kreativer Grafikdesigner und Regisseur.

Alan-Rickman-SpeechDie Stimme
Alan Rickmans Stimme galt als Perfekt – wie auch die von Jeremy Irons und Judi Dench. Zur Berechnung einer perfekten Stimme haben britische Wissenschaftler eine mathematische Formel entwickelt, die da lautet (Ä164,2wmp x 048pbsÜ) Fi = PVQ. In die Berechnung fließen unter anderem die Satzmelodie, Sprachtechnik und das Sprachtempo. Aber nicht nur wissenschaftlich ist es bewiesen, sondern auch hinreichend belegt. Über keine Stimme und Sprechweise eines Schauspielers wird immer und immer wieder so viel Lob ausgesprochen. Zahlreiche Alan Rickman Fans können das bestätigen – und wer denen kein Glauben schenkt, der leidet unfraglich an einem Gehörschaden. Auch beklagten sich die Fans fortlaufend, dass Alan Rickman zu wenig zu sehen und hören sei in den Harry Potter Filmen. Aber auch Schauspielkollege Daniel Radcliffe und Regisseur David Yates – beide von den Harry Potter Filmen – bestätigen dies im Interview (siehe Bild). Alan Rickman bestritt diesen Fakt immer wieder – beteuerte, dass seine Stimme ein Problem sei, man diese nur schlecht höre und er deshalb bei Filmen besser aufgehoben sei als auf der Theaterbühne.

Der Charakterschauspieler
Aber gerade die Theaterbühne machte Alan Rickman zu diesem so herausragenden Charakterschauspieler. Ohne seine Lehrzeit an der RADA, eine der renommiertesten Schauspielschulen des Vereinigten Königreichs, hätte er nie gelernt sich so zu bewegen, sprechen, gestikulieren. Denn bei jeder seiner einzelnen Rolle merkt man, wo er seine Wurzeln hat, zu was er ausgebildet wurde: Zum Schauspieler. Und gerade dadurch zeichnet er sich aus und hebt sich ab von den meisten anderen Filmschauspielern – die, die nie die Möglichkeit hatten, dieses tolle und alte Handwerk zu erlernen.

Neben den großen und bekannten Filmen wie Harry Potter, Stirb Langsam, Robin Hood – König der Diebe, Das Parfüm, Sinn und Sinnlichkeit, und tatsächlich Liebe, spielte Alan Rickman in vielen anderen weniger bekannten, aber nicht weniger guten Filmen mit, sowie außerdem in zwei Musikvideos der Band Texas („In Demand“ – inkl. Tango – und „Start A Family“), Epic Teatime mit Alan Rickman – in Zeitlupe – und die nachdenklichen Kurzfilme „Dust“ und „The Boy In The Bubble“.
Ein weniger bekannter Film von Alan Rickman hat mich besonders berührt. Und alle die ich sprach und die den Film ebenfalls kennen, pflichteten mir bei. Es ist der Film Snow Cake aus dem Jahre 2006. Nachdem Alan Rickman das Script diesen Filmes gelesen hat, wollte er unbedingt die Rolle des männlichen Hauptdarstellers übernehmen und stellte auch gleich die Verbindung zu seiner Schauspielkollegin Sigourney Weaver her, mit welcher er in „Galaxy Quest“ 1999 vor der Kamera stand. Dieser wunderschöne Film handelt von Vergänglichkeit und Tod, wie verschiedene Menschen mit dem Ereignis umgehen, bei dem ein uns erst kurze Zeit bekannter oder gar geliebter Menschenleben urplötzlich wieder genommen wird.
Trotz der traurigen Nachricht können wir uns noch auf einen vielversprechenden politischen Kriegsfilm mit Alan Rickman im Frühjahr 2016 freuen – „Eye in the Sky

Vergänglichkeit
Ich nahm an dem seinerzeit im November 2009 wiederkehrenden Fundraising Event der RADA – Royal Academy of Dramatic Art – teil. Die RADA ist eine der besten Schauspielschulen, wenn nicht sogar die Beste in London, an der Alan Rickman – neben Timothy Dalton, Richard Attenborough und Anthony Hopkins u.A. – ausgebildet wurde. Ich flog also früh am Morgen von Hamburg nach London, wo das Event im Hotel The Dorchester stattfand. Unter Anderem wurden Kunstwerke und Eintrittskarten für die an dem Tage stattfindenden Versteigerungen gespendet. Darunter befanden sich Tickets für die Premiere in London des Filmes „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1“.
Da Alan Rickman selbst an dem Event teilnehmen wollte, kann man darauf schließen, das er der Spender der Tickets war. Alan Rickman war bis zu seinem Tod Patron bei RADA und hat dabei hat junge und talentierte Schauspieler unterstützt. Ich wurde sehr herzlich vom RADA-Team empfangen, platzierte mich am Tisch des RADA-Teams, kümmerte sich rührend um mich und bezog mich ein in Gespräche. Vor über sechs Jahren sollte ich also Alan Rickman kennen lernen. Nur leider war Alan Rickman durch Dreharbeiten verhindert. Eine RADA-Mitarbeiterin und Bekannte von Alan Rickman versuchte ein Treffen bei RADA mit Alan Rickman mit mir zu arrangieren. Aber leider passte es zeitlich nie zusammen.
Die Zeit vergeht wie im Fluge, man ist viel beschäftigt und die Arbeit wird nicht weniger.

Alan Rickman posiert für einen Fan (2011) | Bild: © Marie-Lan Nguyen / Wikimedia Commons

Alan Rickman posiert für einen Fan (2011) | Bild: © Marie-Lan Nguyen / Wikimedia Commons

Und besonders an Tagen wie diesen erinnert man sich daran, wie vergänglich die Zeit und das Leben ist. Was einem persönlich wirklich wichtig ist und war.
Man sollte aufhören, die persönlich wirklich wichtigen Dinge aufzuschieben für die scheinbar wichtigen Dinge – die angeblich nicht warten können. Wie heißt es so schön: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Aber irgendwann ist es zu spät für wirklich wichtigen Dinge – die, die das eigene Herz berühren und uns mit Leben und Leidenschaft füllen. Und wenn es zu spät ist, dann kann es nie aufgehoben werden, man fragt sich, warum habe ich mir nicht die Zeit genommen, als es noch nicht zu spät war und man es noch nicht bereue mußte. Es lastet für immer auf unserem Herzen und unserer Seele.

Kondolenz
Alan Rickman war seit 1965 mit der Politikerin und Professorin Rima Horton liiert und ehelichte sie erst nach der langer Zeit im Jahre 2012. Die Welt hat einen unverwechselbaren Charakterschauspieler verloren. Die Familie einen geliebten Menschen. Ich spreche Rima Horten und Alan Rickmans Familie mein aufrichtiges Beileid aus. Die Welt, und insbesondere ich trauern mit Ihnen.

Spenden für einen guten Zweck
In Andenken und zu Ehren von Alan Rickman, welcher kürzlich verstarb infolge von Krebs, sammle ich Spenden um einen Studenten an der RADA (Royal Academy of Dramatic Art) – wo Alan Rickman selbst Student war und später Patron – finanziell zu unterstützen. Die Studienbeiträge betragen mindestens 9000 Pfund im Jahr. Spenden können Sie hier.

Ein weiterer schöner Nachruf finden Sie beim the guardian.
Mehr über Alan Rickman finden Sie auf moviepilot und imdb.

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