Bedenkliche Schlüsse

Leserbrief Frankfurter Allgemeine Zeitung, erschienen in „Briefe an die Herausgeber“ am 02.02.2004, Nr. 27, S. 10

Bedenkliche Schlüsse

Zum Leserbrief „Nicht „ausgerastet“ (F.A.Z. vom 28. Januar): In dem Leserbrief sind die von Rainhart Raack gezogenen Schlüsse in mehreren Fällen bedenklich. Wenn ein Botschafter in erkennbar blinder Wut in einer Ausstellung randaliert, so ist die Bezeichnung „ausrasten“, wie sie der Verfasser der Glosse „Persona non grata“ (F.A.Z. vom 19. Januar) verwendete, vollkommen angebracht. Auch ein wohlkalkuliertes und geplantes Fehlverhalten in dieser Form ist so zu bezeichnen, wenn nach außen diese überlegte Provokation so erscheinen muß. Des weiteren bezeichnet Leser Raack Israel als die einzige Demokratie im Nahen Osten.

Diese – häufig behauptete – Floskel ist insofern in Frage zu stellen, als die in Israel lebenden Menschen keineswegs als Volk Herrschaft ausüben. Ein erheblicher Teil der in Israel lebenden Menschen ist nahezu rechtlos und in vielfältigsten Dingen des täglichen Lebens von seiten der Obrigkeit drangsaliert und unterdrückt. Ein feinsinnigerer Gebrauch des Wortes Demokratie scheint angebracht. Auch die DDR bezeichnete sich als sozialistische Demokratie. Noch bedenklicher stimmt, wenn verzweifelte Menschen als Unmenschen bezeichnet werden. Der Humanismus lehrt, daß Menschen an sich einen Individualwert haben.

Auch Menschen, deren Angehörige ermordet wurden und die keinen anderen Ausweg mehr sehen, als die Selbsttötung und den Mord an den vermeintlichen Schuldigen. Und wenn jeder, der „durch seine Taten möglichst viele unschuldige Menschen vernichtet“, zum Unmenschen wird, so ist die Regierung „der einzigen Demokratie im Nahen Osten“ unmenschlich, denn ihr Handeln ist genozidal und mörderisch. Sie ist auch selbstmörderisch, denn indem sie tagtäglich ein Volk entrechtet und seine Individuen tötet, tötet sie ihre eigene Seele und nimmt sich selbst das Recht auf friedliche Koexistenz. Die Behauptung des erkennbaren Antisemitismus in der Kritik des israelischen Botschafters in der schwedischen Demokratie ist genauso abgedroschen wie albern. Noch minder hilft er, das Ausrasten dieses Mannes zu kaschieren, auch wenn diese Totschlagphrase hiernach zielt.

 Arne Fischer, Neu Wulmstorf

1 Antwort
  1. Gordian Hense
    Gordian Hense says:

    Lieber Herr Fischer, dieser Beitrag liegt zwar sehr lange zurück. Um so schlimmer ist die Tatsache, dass Herr Rainhart Raack seit dem in der FAZ Narrenfreiheit in Bezug auf seine Kommentare hat, während Kommentare mit gegenteiliger Meinung oder Antworten zu Herrn Raack einfach von der Redaktion gelöscht werden. Das ist also mindestens seit 2004 so. Die FAZ gibt sich als „Neutrales“ Blatt, ist aber zu einem grossen Teil „über politisch korrekt“ was Israel angeht. Ich betrachte die WELT und die FAZ mittlerweile als verdeckte Sprachorgane Israels in Deutschland, um „gute Meinung“ für dessen Interessen zu machen. Von N-TV oder N24 gar nicht zu sprechen. Neben Herrn Raack gibt es eine ganze Armada an beruflichen Kommentatoren, die pro Israel schreiben und von den Redaktionen zumindest ständig toleriert werden. Wer anderer Meinung ist, wird entweder gelöscht oder in eine rechte Ecke gestellt.

    Auch jetzt wieder zu einem Kommentar von Herrn Raack im Artikel „Obama offen für Begegnung mit Rohani“.

    Mein Kommentar: Hier „Glauben“ die einen dem Iran nicht und die anderen „Glauben“ den USA und Israel nicht. So einfach lassen sich die Kommentare und das TamTam um dieses Thema abhaken. 0:0. Wer sich politisch und militärisch in die Angelegenheiten eines anderen Landes einmischt ist Imperialistisch. Das ist Fakt. Nun, wer tut das mit wem? Eine Existenz alleine ist keine Einmischung in anderen Staaten Angelegenheiten, nur vorab für die ewigen Verdreher aller Tatsachen. 0:1. Jetzt bin ich gespannt auf die Antworten der per Religion ernannten Verdreher der Realität.

    Herr Raacks Antwort: Lieber Herr Hense,

    wenn ich sie recht verstehe, meinen Sie, die Drohungen des Iran, Israel von der Landkarte zu fegen, seien imperialistisch und Sie warten nun auf die Einsprüche der Islamisten. Die werden sich kaum melden. Denn wie sollten sie Ihre Argumente denn widerlegen? Wo Sie recht haben, haben Sie recht.

    Meine Antwort, die von der FAZ gelöscht wurde: Herr Raack, ziehe Sie sich ruhig den Schuh mal an
    Denn genau solche Leute wie Sie habe ich gemeint mit dem Verdrehen der Realität. Und Sie sind prompt auf diese Falle herein gefallen und haben das mit ihren Statements bestätigt. Natürlich ist das was die USA und Israel macht ‚Imperialistisch‘ und nicht der Iran. Der Iran hat keine massenhaften Atomraketen die er auf andere Länder richtet, so wie Israel und die USA. Der Iran besetzt auch kein fremdes Land und baut einfach Siedlungen darauf. Der Iran hat keine Angriffskriege geführt, etc. etc. Der Iran stellt sich für mich als passives Land dar, wogegen die USA und Israel ständig Kriege anzetteln und andere dazu aufhetzen und besonders gegen den Iran agitieren. Und hier lese ich von den Berufs-Kommentatoren ständig die Verdrehung der Tatsachen. Sie haben wohl sonst keine Argumente?

    Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *