Dieses ist eine von Abermillionen Seiten mehr. Ein explizites Alleinstellungsmerkmal kann hier per se nicht konstatiert werden. Vielleicht gibt es in dieser Richtung Ambitionen oder Wunschvorstellungen, aber das soll hier keine Rolle spielen und ist – da sich aus diesen keine inhaltlichen Einflüsse ableiteten – ziemlich irrelevant.

Freiweh ist gedacht als eine Internetseite, aus der ein Geist spricht.
Nun nicht bange werden: nicht im esoterischen oder abgeschmackt belletristischen Sinne.

Eher im Sinne des Pneuma. Wer denkt, der atmet, weil er lebt. Und weil es etymologisch so schön ist: Sich am Geiste zu laben heißt des Lebens Labsal zu lieben. Der Stabreim im zweiten Teil des Satzes liest sich wie der zweite Teil des Atmungsaktes. Der Odem weicht der Lunge, wie der Satz verklingt. Odem, Atmos sind auch Synonyme für Geist. Und wie wir den Geist wie die Luft aufnehmen, so atmen wir ihn wieder aus. Verarbeitet, ergänzt, kommentiert – im besten Falle zumindest. Im schlechteren Falle war es nur ein Luftballon, der aufgepustet ward, und bei Austritt des Odems quietscht es nur gottserbärmlich, weil eine unsichtbare Hand die Eintritts- und Austrittdüse verzieht. Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich muß jetzt an Politikergerede oder Star- und Sternchengeplapper denken. Nur drängt sich jetzt der Schluß auf, daß nicht der Geist den normalen Weg in die Lunge nahm. Vielmehr ahne ich, daß es der Ungeist war, den den Unweg nahm und – wie es sich für einen ordentlichen Fliegengott gehört – den Weg zurück nehmen muß, den er kam.

Im übrigen ist der obenstehende Begriff des Atmungsaktes eigentlich verfehlt. Atmung ist nichts, was einer Aktion bedarf. Es ist, Mediziner werden es präziser ausdrücken wollen, ein Urreflex. Und der durchgeistigte Mensch gleicht dem Leistungssportler unter Belastung. Er braucht viel Luft. Und daher atmet er stark und viel. Er kann seine Atmung vielleicht kontrollieren, aber der Urreflex bleibt. Ich habe trotzdem das Wort des Atmungsaktes, der Aktion der Atmung verwendet, denn in einer geistesumnachteten Welt muß der lufthungrige durchaus aktiv werden, um das Lebenselixier zu atmen.

Womit wir wieder bei dieser Seite wären. Diese Internetseite soll wie Odem sein. Ein Spiegel online, der auch beschlägt, wenn man so will.

Ganz bewußt soll das hier Ge- und Beschriebene jedoch keine Beatmungsmaschine sein. Eine Maschine lebt nicht. Und sie kann auch kein Leben spenden. Gleichwohl kann sie das Dasein erhalten. Das Sosein indessen nicht. Nein keine Maschine. Dem passiven Besucher soll der Atem stocken, so daß er aktiv nach Luft zu schnappen genötigt ist. Provoziert, verärgert, beseelt, verstört. Oder sein Atem geht schnell, jagend. Erregt, wütend, voller Zorn.

Was auf dieser Internetseite aber vermieden sein soll, ist jedes Spalterische. Dabei soll aber schon jetzt betont werden, daß nur gespalten werden kann, was auch zusammengehört. Wer hier ein feiges „Ja, finde ich auch toll“ zu allem und jedem erwartet, oder ein „ich hab zwar nix gegen X, aber…“, der wird sich vielleicht enttäuscht finden (schnüffelnde Denuzianten und Derivate ausgenommen). Hier wird deutsch geschrieben. Und wie heißt es so schön in Goethes Faust, Teil II: „Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist“. Nun ist man als Kulturmensch durchaus entgegenkommender Umgangsformen hold. Denn nicht zuletzt sind sie Ausdruck von Selbstdiziplin und vorbehaltlosem Respekt gegenüber dem Umgang. Interpretieren wir hier also höflich als feige, falsch, fadenscheinig, fäkalherkunftsaffin (sprich: arschkriecherisch). Und ich denke, mit dieser Intepretation tun wir Goethe auch nicht unrecht, läßt er es doch den sturm-drängerischen Schüler dem Mephisto an den Kopf schleudern, gefolgt auf eine derbe Wahrheit.

Nein, spalten wollen wir nicht. Aber das Spalterische benennen sehr wohl. Und wenn Oswald Spengler dem Faustischen Menschen den Untergang seines Abendlandes weissagt, so gilt unser Sorgen und Trachten der Vereinigung der Seelen in seiner Brust. Denn der ganze Mensch soll es sein. Betäubt, verlärmt, verdummt – das ist der halbe Mensch, der gespaltene. Der mit dem abgeschalteten Schmerz. Alles ist Schall und Rauch, in Watte gepackt, Nebelheim. Hin und wieder ein Brot, hin und wieder ein Spiel. Hin und wieder?  Schalten Sie den  Telescreen (G. Orwell, 1984) ein. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Oh weise! Oh Weißheit! Nein, ihm wird auch eine Promi-Gameshow nach der anderen eingeflöst (Darsteller: siehe oben, Ungeist-Odem).

Doch Geist ist alles, Gefühl ist alles. Aber nur zusammen. Getrennt auf Dauer nicht lebensfähig, nur da-, nicht soseiend.

Mithin, wir sind abgeschweift. Unsere Musterdisziplin, und gerne. Warum? Weil wir es genau so nicht mögen:
„Da wird der Geist Euch wohl dressiert,
In spanische Stiefeln eingeschnürt,
Daß er bedächtiger so fortan
Hinschleiche die Gedankenbahn,
Und nicht etwa, die Kreuz und Quer,
Irrlichteliere hin und her.“ (Faust I)

Diese Seite steht nicht für die eine und bekämpft die andere Ideologie. Das hieße, sich vor einen fremden Karren spannen zu lassen. Teile und herrsche und schalte des Schmerz ab? Brüchiges Lederzaumzeug, morsches Deichselholz, höfischer Kutscher. Ein tolles Gespann, fürwahr. Einzig die Pferde. Sie stampfen unruhig. Da ist noch Feuer im Blut. „Ruhig Brauner“? Pustekuchen! Sie müssen den Schmerz des Knalls der Peitsche noch hören können, um morsches Holz zu brechen und mürbes Leder zu sprengen. Ob das Pferd ein brauner Trakehner, ein roter Fuchs, ein grauer Schimmel, ein roter Fuchs oder Pipi Langstrumpfs Bunting ist ist zwar wahrlich nicht gleich. Aber es ist prächtig anzusehen und die Buntheit wohl auch die zwingende Voraussetzung, daß der Fünfspänner die fünf Erdteile für sich erobert und nicht für einen morschen Karren.

Und Ideologieferne heißt gleichzeitig, daß wir die Welt anschauen wollen. Hier soll Weltanschauung betrieben werden. Gleichsam von einer hohen Warte herab, besser noch im herrlichen Fluge. Das entspannt und da oben ist die Luft ideologiefrei und sauber. Ein guter Ort, um sich vom guten Geist durchdringen zu lassen.

Und damit ist das Motto dieser Seit abschließend definiert: Der denkende Geist soll Wege zu seiner Befreiung aus der fremdverschuldeten Knechtschaft finden, dieser Weg ist das Ziel dieser Seite.

Arne Fischer