Lamm mit Maulwurfshügeln | Jana Fischer 2013

Wege nach Rom: Friedensmarsch oder Spaziergang? Beides!

Es ist grad ein Jahr her, da konnte man die junge, friedensbewegte Mahnwachenbewegung als gescheitert bezeichnen.
Umso mehr gilt: Die Mahnwachenbewegung ist tot – es lebe die Bewegung der Mahnwachen!
Denn die Mahnwachenbewegung wurde durch etwas in Bewegung gesetzt und hat etwas in Bewegung gesetzt.
Immer wieder konnte man die vergangenen 14 Jahre (und weit darüber zurück) erleben, wie eine multipolar wirkende Medienlandschaft urplötzlich zu einem gleichgeschalteten Monopolmoloch wurde.

Deutlichste Merkmale dieser Entpuppung der Arschmaden zu Fliegengöttern:

  • Ein klar-strukturiertes Feindbild
  • Durch vollkommene Konzertiertheit der Berichterstattung ist dem, etablierte Medien Konsumierenden, jedes Ausweichen aus der Indoktrination verbaut. Jeder Sender, jedes Blatt nimmt an der Schmierenkomödie teil.
  • Notwendige und heilsame Kritik an der einseitigen Berichterstattung, wird als „schöne Theorien“ abgetan, deren Legitimation der Kritik jedoch verneint. „Wer eine Inter-Nationale anbetet, der kann uns nicht kritisieren.“ (O-Ton Gröfaz)
  • Die Kritiker selbst werden mit den übelsten politischen Beschimpfungen belegt und gruppenbezogen-feindlich stigmatisiert. Die üblichen Stereotype sind hier: Antisemit, Nazi, böser Mensch, etc.
  • Oder, auf Grundlage, langjährig im offenen oder verdeckten Faschismus, gewonnener Kenntnisse und Fertigkeiten mieser Charakterlichkeit, verächtlich gemacht. Zuletzt waren und sind dies Aluhutträger, Esoteriker, „Spinner und Verrückte“ (Konstantin Wecker, „Empört Euch!“), etc.
  • Damit ganz klar wurde, wohin US-Kampfstiefel und Prada-Schühchen im Gleichschritt marschieren und woher der Wind weht, sind die beide letztgenannten Gruppen außerdem „strukturell-krude“, antiamerikanisch, die FED-Kritisierer, Rothshildgegner, Putin-Versteher, mit Rußland-und-im-allgemeinen-Frieden-Woller, Schnellsprecher, Homophob, Familophil, Ethnopluralisten, linke Querfrontler, rechte Querfrontler, zwischen-raffendem-und-schaffendem-Kapital-Unterscheiderer, bla bla.

Nun gibt es raffinierte, gut verpackte Indoktrination. Also solche, deren Doppeldenk bis ins Letzte verfeinert ist. Nur, das Wesen der Gleichschaltung ist die aus ihre schwallende Dummheit. Denn je größer der Kreis derer ist, die als Prestituierte gebraucht werden und also funktionieren müssen, desto mehr schließt man die schlichteren, weniger raffinierten ein.

Die Propaganda wird jetzt so plump, daß es dem Volk schlicht zu doof wird.
Das Volk liest, hört und sieht gerne Blödeleien. Wenn es aber selbst zu platt für dumm verkauft wird, so beginnt es in seinen besten Teilen an zu murren. Mindestens.
Als vor bald 2 Jahren die wunderbare Olympiade in Sotschi zum Fest und sportlichen Wettstreit der Völker rief, erbrachen die Medien sich am laufenden Band. Der Grund, die eigene, geistige Magersucht und der Auftragsneid unter albernsten Vorwänden. Die Ursache: Dienstmädchen – ehemals und/oder in der strukturellen Persönlichkeit – waren (dienst-)botmäßig an die Kandarre genommen worden und entfesselten anschließend folgsam einen Shitstorm gegen den Gastgeber Rußland, wie er sich – sicherlich nicht mit Weihwasser – gewaschen hat.

Während sich also die Bürger auf die fröhlichen klaren Gesichter gesunder Sportler freuten, die in olympischen Dörfern den friedlichen Austausch der Menschen und Völker so schön vorleben können, geiferte alles, was über die transatlantischen Brücken – für Mediennutten als Drittcharge teilt sich heute kein Meer mehr – angetanzt kam. Es ging gegen Rußland.
Medienkrieg das Ziel, Mediensieg das Panier. Imperium befiehl, wir folgen Dir.

Darauf hatten die, ob dieser Plattheit beleidigten, Bürger aber keine Lust.
Mit Krokodilstränen jammerten die Kasperle von DLF bis RTL, von Bild bis Zeit, von Phoenix bis ServusTV, daß sie von unheimelig-himmlischen Heerscharen mit Kommentaren überschüttet würden, die sich über ihre angeblich einseitige Berichterstattung beschwerten.
Aber die kleine Hexe und der Dimpelmoser wußten ja, das war nicht einseitig. Das war einfach nur Kriegspropaganda. Und danach ist den Bürger einfach nicht mehr.

Weiter ging’s mit der Ukrainekrise. Von Nuland zu Maidan. Ein 12-töniger Mißklang in eintrachtsvollem Bellizismusjargon. Von Weglassen bis Hinzudichten: alles dabei.

Immer saurer wurden jetzt die Zwangsgebührenzahler und letzten Gläubigen an verbürgte Pressefreiheit: Unter den erbosten und kritischen Kommentaren ging manche Klitsch(e)K.O.
Es schien, als entglitte den großen Lenkern ihr liebstes Spielzeug: Der Mensch.

Dann artikulierte sich Widerstand. Kleine Grüppchen, sammelten sich vieler Orten zu Mahnwachen. Mahnend zu Wachsamkeit. Wachsam sein, gegenüber Kriegstreibern und deren Lügenmäulern.
Die alternativen Medien unterstützten diesen Drang der Artikulation von Sorgen und Kritik.

Man merkte richtiggehend, wie das System und seine Monopolmedien den Atem anhielten.
Das war unerhört. Das war ungemach(t). Das war… gefährlich.
Und das System schlug zurück, denn es wußte: das geht ans Eingemachte, an das Gruselkabinett ihrer in Weckgläsern und Spiritus eingelegten Reliquien von Medienmacht, Erlesenheitsdünkel und Auserwähltheitswahn bourgeoisen Besserwissens und beck(messer)ischens Merke(l)ns.

Und so prasselte der Gegenschlag auf die weitgehend Arglosen in den Mahnwachen hernieder.
Sie waren nun alles: Einfältige und Schlechte – weil sie widersprachen und freventlich kritisierten. Blasphemiker der aufgeblasenen Bohemiens in den Räten, Fraktionen, Redaktionen und dieser ganzen dekadenten Denkfabriken.

Gegen die Mahnwachen wurden ihre natürlichen Geschwister ins Feld geschickt: Die Friedensbewegten alter Zeiten und, an deren Rocksäumen und in derer Fahrwasser, aber immer im Schatten des Mantels der Geschichte und frischen Windes, die „rotlackierte“ SA (Orwell‘sche Selbstbezeichnung: Antifa).
Entsetzt, offensichtlich so falsch verstanden zu sein und außerdem an Arbeitsplatz, im sozialen Umfeld von Schnüfflern und Gedankenverbrecherjägern denunziert, verschwanden viele der Wachgewordenen wieder im Orkus grauen Nebels.

Andere blieben wackere Rufer im Walde oder Pfeifen in der Wüste. Montag für Montag hielten sie Wache und stellten sich dem medialen Geifer der Gegner und seiner Sturmabteilungen, welche die Straßen lieber und wieder frei hätten, für ihre schwarz-mummenschanzigen Bataillone.
Wieder andere wagten das schier unmöglich scheinende: Gegner zu Mitstreitern zu machen.
Mit der Friedensbewegung, der altehrwürdigen, eine Neue zu bauen. Winterszeit – Besinnungszeit.
Ein dritter Teil wollte nicht nebulös bleiben oder der Kriegserklärung des Systems mit Frieden begegnen. Dieser Teil der Angegriffenen meinte, ein gepresstes Lügenmaul sollte auch als Lügenmaul, des Systems niederträchtiges Wirken auch benannt werden: mit Roß und Reiter.
Und dieser Dritte Teil rannte doch selbst mit Rosinante und schnurrbärtig-gescheit(elt)em Don gegen den Feind an, in des Mühlen er zermahlen werden alsbald sollte.
In Windeseile entfesselte Hasspropaganda gegen das freche Volk, das sich erdreistete, widerständig zu widersprechen, zerschlug mit eiserner Faust auch diese Bewegungen.

Siegestrunken taumelte das System jetzt wie besoffen durch die Zeiten.
Den Schreck in den Knochen, wurde beschlossen, es nicht nochmal drauf ankommen zu lassen:
Ein Volk, eine Bürgerschaft, die noch so normal empfand, daß sie glaubte, Gegenrede, Kritik und Gegenvorschläge anbringen zu dürfen, so ein Volk mußte schnellstmöglich ausgetauscht werden.
Und weil diese Kröten zu gerne konzertiert unken, sollte gleichzeitig der contract sociale zerstört und durch Zersetzung gemeinschaftlichen Zusammenhaltes zu einem contract asociale umgeformt werden. Und eine asoziale Gesellschaft schafft sich nicht nur selbst ab, sie läßt sich auf ihren letzten Gängen auch wunderbar in Kriege führen.

Es geht jetzt um die Wurst.
Es geht jetzt darum, daß die Friedensbewegten – die Friedlichen, deren Pazifismus sie menschlich adelt – und die Widerständigen, deren gesundes Bauchgefühl sie streitbar macht, daß beide jene kritische Masse des Volkes, dem unbewußt Unwohl ist, zu gleichen Teilen aus dem Grauen Nebel hievt und teilnehmen läßt am eigenen Überlebenskampf.
Es geht um Krieg oder Frieden. Nicht um rechts und links, que[e]r oder straight, farbig oder durchsichtig. Man ist vereint darin, daß man die Strategie der Spannung als Verursacher jeder Strategie der Spaltung erkennt.
Das Volk will Frieden. Die Friedensgegner verdienen (am) Krieg. Verwehren wir ihnen den Gewinn, indem wir, verträumte Friedensbewegte und tumbe Bauchgefühler symbiotisch werden lassen.
Auf getrennten Wegen, gegen Rom: Friedensmarsch oder Protestspaziergang. Der Weg ist nicht das Ziel, aber viele Wege führen zum Frieden durch Abwesenheit von (Fremd-) Herrschaft.

pax vobiscum

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