Abwarten und Tee trinken

Was macht der aufgeklärte, selbstbewußte Amerikaner, wenn es ihm um seine Freiheit im Lande zu tun ist? Er zeigt Flagge, geht auf die Straße, wird Truther oder Occupier, dokumentiert seine Zweifel in Onlinedokumentationen (z.B. Loose Change).
Diese Widerspenstigkeit kennen wir schon aus der Gründerzeit der amerikanischen Union, als beispielsweise Bostoner Bürger vor fast 240 Jahren mit ihrer Boston Tea Party  gleichsam Vorreiter und Begründer der amerikanischen Unabhängigkeit – natürlich erst nach vorausgegangenem Orlog – wurden.

Es wirkt fast so, als wollten die Sicherheitsbehörden ihre Heimat vor diesem Freiheitsdrang schützen. Zumindest erschlösse sich dann auch die Bezeichnung “Heimatschutzministerium” (Department of Homeland Security), welche Querköpfe bislang häufig als Neusprech oder Euphemismus einordneten. Denn:
Als vergangene Woche, während einer großen Sportveranstaltung in Boston, in einem Terroranschlag zwei Bomben gezündet, dabei drei Menschen ermordet und zahllose verletzt wurden, schalteten die Sicherheitsbehörden sofort das gesamte lokale Mobilfunknetz ab. Begründung: Möglicherweise waren die Bomben per Handy gezündet worden und weitere könnten ebenso gezündet werden. Mit einem Schlag war also die wichtigste zivile Telekommunikationsplattform ausgeschaltet.

Während also der Arabische Frühling und der “Verzweiflungskampf der syrischen(?) Freiheitkämpfer”, durch mobile Telefonate und Handyvideos unmittelbar den Weg aus den kriegswirren Regionen direkt in unsere Fernsehanstalten findet, konnten in Boston die Bürger nicht ihre Angehörigen beruhigen oder direkt von zwielichtigen Gestalten berichten, die Verdächtiges täten…
Es verwundert doch irgendwie, daß mitten in Friedenszeiten der Nachtwächter in der Lage ist, in wenigen Augenblicken dafür zu sorgen, daß die Mobilfunknetze – immerhin in den Händen konkurierender, privatwirtschaftlicher Unternehmen – abzuschalten.
Klack. Stille.

Doch es ging noch ein bisschen weiter. Als die beiden mutmaßlichen Terroristen schließlich zur Strecke gebracht, bzw. waidwundgeschossen waren, waren nicht nur 7000 Mann Sicherheitskräfte – das entspricht rund 9 Batallionen! – im Einsatz, zeitweise war sogar ganz Boston mit einer Ausgangssperre belegt.

Dem Bostoner blieb dann, im Jahre 240 der Boston Tea Party, nichts anderes übrig, als vorm Telescreen die – trotz Ausgangssperre omnipräsenten – TV-Sender vor Ort in ihrem Wettstreit zu sehen, die besseren Bluthunde zu haben. Vulgo: Abzuwarten und Tee zu trinken.

Als dann die Ausgangsperren vollständig aufgehoben und die anderen Täter unschädlich gemacht waren, strömten die Menschen aus den Häusern und jubelten ihren Befreiern zu.

Tapfere neue Welt.

Zum Thema Boston siehe auch: Elsässer Blog

Bildquelle: Simone Hainz  / pixelio.de