Dann eben mit Bahnsteigkarte

“Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas, wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte!” (Lenin)

Der obenstehende Ausspruch war eine Art Stoßseufzer Lenins, nachdem er erkennen mußte, daß die Deutsche Revolution von 1918 in eine parlamentarische Demokratie führte und nicht in eine kommunistische Räterepublik.
Da war guter Rat  teuer. Und die vielen Goldmark, mit denen Lenin von der OHL und die Goldmünzen, mit denen Trotzki von Jacob Schiff ausgestattet worden waren, hatten sich bereits in der russischen Oktoberrevolution verflüchtigt. So waren die Sowjets nicht mehr in der Lage, ihre KPD-Räte ausreichend zu unterstützen. Der schlechte Rat  war mithin teuer erkauft, sieht man sich die vielen nutzlosen Opfer an, die die deutschen Kommunisten ‘der Reaktion’ brachten.

ESM_A-Paul WeberGeschichte wiederholt sich nicht. Aber Geschichte kann Kontinuitäten zeigen.
Auch Europa steht eine Räterepublik ins Haus. Mit dem ESM wird ein Gouverneursrat installiert, die EU-Administration schickt Troikas in die Republik Zypern, in die griechische Republik oder die Republik Portugal. Diese Troikas haben den Auftrag, die Kollektivierung der Volksvermögen der Räterepubliken zu überwachen und über ihren Unterwerfungswillen zu richten.
Eine besondere Würze erhält das Ganze, wenn sogar familiäre Kontinuitäten erkennbar werden: Hindenburg und Ludendorff waren es, die es protegierten, daß Lenin in seinem plombierten Wagon 1917 nicht nur sein revolutionäres Charisma, sondern auch einige Millionen Goldmark mitbrachte, die Max M. Warburg organisiert hatte. Sein Bruder,Felix Warburg  war schon 1894 nach New York ausgewandert, wo er Frieda Schiff heiratete, die TochterJacob Schiffs  (s.o.), des Leiters des Bankhauses Kuhn, Loeb & Co. (die übrigens 1977 zur Lehman Brothers Kuhn Loeb & Co. fusionierte). Eric M. Warburg, wie sein Vater Max Moritz mehrjährig Rothschild-Banker, war es, der 1952 mit ZEIT-Herausgeberin Gräfin Dönhoff die Atlantik-Brücke gründete. Das 1946 zugelassene Lizenzblatt DIE ZEIT war seither der Atlantik-Brücke immer eng verbunden; die heutigen Herausgeber Helmut Schmidt und Josef Joffe gehören beide zu dem Rat der Weisen, der Jahr für Jahr sogenannte Young Leaders rekrutiert, zu denen auch illustre Personen wie zu Guttenberg, Wulff, Koch-Mehrin, Özdemir, Göring-Eckardt, Westwelle gehören. Der Sohn des Gründers der Atlantik-Brücke und Vorstand der Warburg-Bank, Max Warburg leitet heute die ‘Region Nord’.

Mario-NettenDie Atlantik-Brücke gilt als ausgezeichnet vernetzt mit einflußreichen Zirkeln und Unternehmen der Finanzwirtschaft, u.a. auch und insbesondereGoldman-Sachs, das als in die höchsten Kreise der Winkeladvokatie der Vertreter des EU-Zentrismus einflußreich vernetzt gilt – auch personell.
Und eben diese Bestrebungen zur Schaffung einer zentristischen Union, deren Wohl und Wehe in die Hände ungewählter Gouverneursräte gelegt ist, die sich in ihren vorherigen Positionen zunehmend als willfährige Spielbälle der Finanzwirtschaft gezeigt haben, stimmen bedenklich.
Der ESM wird exekutiert durch Räte aus den Republiken der Union. Zu was anderem entwickelt sich mithin die EU, als eine Union der Räterepubliken?

Das hatten wir schon einmal und gegen solche Kontinuitäten gilt es widerständig zu werden. Derweil der Brüssel-Zentrismus zunimmt, sollten die entstehenden Zentrifugalkräfte genutzt sein, um dieses “Chaos wunderlichem Sohn” schwungvoll die Forderung nach der Schaffung souveräner Ordnungen in Europa entgegenzustellen.

Schuldenlast_toetet-FriedenUnd das mit allem Recht: “Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.” So steht es in unserem Grundgesetz, Artikel 20, Absatz 4. Und vorher (Abs. 1) wird nocheinmal explizit konstatiert, was diese Ordnung ist: ‘ein demokratischer und sozialer Bundesstaat‘. Gegen alle Elemente dieses Dreiklangs verstoßen allerdings inzwischen alle drei Gewalten, obschon sie ihm durch das Grundgesetz ausdrücklich verpflichtet sind (Art. 20, Abs. 3). Von Gewaltenteilung kann mithin keinesfalls mehr die Rede sein – eher von Dreigespann, alsoTroika.

“Die Revolution ist die Notwehr des Volkes, das in seinen heiligsten Rechten gekränkt ist.”
(Lothar Bucher)

Nicht umsonst werden Stammtische und Spießbürger seit langem verfemt und verächtlich gemacht. Sind es doch die Stammtische, an denen das Volk sich zusammenfindet und wo der Bürger, in zunächst kleiner Runde, Rückversicherung erhält, mit seinen Zweifeln und seinem keimenden Zorn nicht allein zu sein. Mit dem Spießer ist der wehrfähige, wehrbereite  Bürger gemeint, der sich die Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit seiner Mitmenschen zur Aufgabe gemacht hat. Nicht umsonst fürchteten die argen Herrscher zu allen Zeiten den selbstbewußten, fürsorgend freiheitsliebenden Mitmenschen.

emoert-euch-weckerIn Europa erheben sich inzwischen die Massen, die Bürger empören sich.
Die Befürworter des EU-Zentrismus wissen sehr wohl, daß die Völker der Mitgliedstaaten nicht (mehr) glauben, daß sie sich der demokratischen und sozialen Wohlfahrt der Bürger verschrieben, sondern nur der Ballung von Macht durch Kontrolle und Schulden.
Eine große Bedrohung liegt darin, daß man zur bösesten und gefährlichsten Waffe der Mächtigen greift: Dem säen von Zwietracht und Hass unter den Völkern. Teile sie und beherrsche sie. Overkill des Chaos.

Macht man sich bewußt, immer und immer wieder, daß die natürlichen Verbündeten im Kampf um die Freiheit alle anderen nach Souveränität strebenden Völker  sind, dann ist Gouvernanten und Gouverneuren ihr wirksamstes Mittel aus der Hand geschlagen und wir stehen – im besten Wortsinn – wieder Rat-los da.

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Georg Schramm anläßlich der Verleihung des Erich-Fromm-Preises 2012

Deshalb die Bahnsteigkarte.
Lenin war bewußt: Die Weltrevolution war ohne den Sieg des Rätekommunismus in Deutschland kurzerhand nicht zu realisieren. Aber die Kommunisten in Deutschland waren dem Chaos nicht verfallen, nicht seine Söhne und Töchter. Sie waren getrieben von der Sehnsucht nach einer besseren, gerechteren Welt. Und als eine paramilitärische Einheit glühender Kommunisten 1918 den Reichstag stürmen wollte und auf ein Schild traf: “Die Herren Revolutionäre werden gebeten, den Rasen nicht zu betreten”, hielten die Wackeren inne und nahmen den Umweg des Fußweges.
Stalin kommentierte das mit dem legendären Satz: “In Deutschland kann es keine Revolution geben, weil man dazu den Rasen betreten müßte.” Aber Stalin irrte hierin. In Deutschland wollte man das Chaos nicht, sehr wohl aber die Umkehrung der herrschenden Ordnung. Und wie Ernst es diese Revolutionäre meinten, erkennt man nicht zuletzt an dem ungeheuren Zoll an Leben, den die Unbeugsamen in den Konzentrationslagern des NS-Terrors und dem – der SA entronnen – Gulag Stalins zahlten.

Die Bahnsteigkarte versinnbildlicht somit, daß der zornige Bürger durchschaut, daß das Chaos der Feind der Ordnung ist und das nur das Choas die Menschen gegeneinander zu hetzen vermag.

Ein wohlgeordneter, kluger Widerstand ist schlagkräftig und nachhaltig. Und beides ist grundlegend, soll die Revolution im Kern friedlich verlaufen und zu einer freiheitlichen Ordnung führen, in der guter Rat in freier Selbstbestimmung Tag für Tag neu errungen wird.

Die abgebildete Bahnsteigkarte kann als Aufkleber und Postkarte übrigens im COMPACT-Shop bestellt werden.