Der Freiheit eine Gasse

Deutsche Freischar, Bd. 1, 1928
Insbesondere darf Deutschland nicht vergessen, daß alle Außenpolitik bestimmt wird von dem großen Gegensetz Rußland-Asien einerseits, England-Amerika und die angelsächsische Welt andererseits. Dies ist ein Gegensatz der materiellen Interessen wie der gesamten geistigen Haltung, und Deutschland wird sich auf die Dauer entschließen müssen, zwischen beiden zu wählen oder ein eigenes Staats- und Weltbild beiden Gruppen entgegenzusetzen, daß die Geister aufrüttelnde Kraft besitzt.

Sonst wird es innerlich und äußerlich eines Tages in dem Konflikt dieser beiden Gruppen zermalmt werden, auf den die Entwicklung des Hochkapitalismus in der Welt hindrängt und durch den wir hindurch müssen, um zu dem neuen Europa zu kommen.
[hr]

Stamps_of_Germany_(DDR)_1967,_MiNr_1293(…)

Doch zittert nicht! Ich bin allein,
Allein mit meinem Grimme;
Wie könnt’ ich euch gefährlich sein
Mit meiner schwachen Stimme?

Dem Herrscher bildet sein Spalier,
Wie sonst, des Volkes Masse,
Und niemand, niemand ruft mit mir:
Der Freiheit eine Gasse!

Ihr Deutschen ebnet Berg und Tal
Für eure Feuerwagen,
Man sieht auf Straßen ohne Zahl
Euch durch die Länder jagen;

Auch dieser Dampf ist Opferdampf –
Glaubt nicht, daß ich ihn hasse –
Doch bahnet erst in Streit und Kampf
Der Freiheit eine Gasse!

Wenn alle Welt den Mut verlor,
Die Fehde zu beginnen,
Tritt du, mein Volk, den Völkern vor,
Laß du dein Herzblut rinnen!

Gib uns den Mann, der das Panier
Der neuen Zeit erfasse,
Und durch Europa brechen wir
Der Freiheit eine Gasse!

Der Freiheit eine Gasse (1841) von Georg Herwegh (1817 – 1875)