Die Symmetrie – und wir

Vor wenigen Tagen wurde die Bundeskanzlerin der BR Deutschland bei einer Podiumsfragestunde gefragt, wie es zu dieser typischen Handstellung komme, bei der sie mit Daumen und Zeigefingern eine Raute bilde.

Kanzlerin Angela Merkel antwortete „Es zeigt eine gewisse Liebe zur Symmetrie“.

Gerne greife ich diese Vorlage der Verschwörungspraktikerin auf, die in Hinterzimmerkrisengipfeln souverän über jede Mitwirkungsmöglichkeit des Volkes hinwegwatschelt. Zusammen mit ihren Verschwörern. Also den anderen Liebhabern von Symmetrie.

Ach ja, die Symmetrie… Ihre Werkzeuge sind Zirkel und Winkel, maßlos ihre Formulierung von Algorithmen – und deren Einsatz. Vollendung findend in der Pyramide; der höchsten, göttlichkeitbuhlenden Gestalt und Versinnbildlichung von Symmetrie.

Feindbild Asymmetrische
Ist es dann nicht vollkommen logisch, daß in einer derartig geordneten Welt alles Asymmetrische naturgemäß ein Feind ist? Und sind alle Kriege, mit denen jene, die sich dieser Ordnung entgegenstellen, nicht per Definition asymmetrische Kriege. Bekriegt wird das Asymmetrische. q.e.d.

„Sprache ist Denken“ (Parmeides). Und wenn der pyramidol übersichtliche und geglättete Duktus der Sprache von Winkeladvokaten in den Machtzirkeln symmetrieverliebt ist, dann ist man gern asymmetrisch.

Kabbale und Liebe? Besser Kabbalistik und Liebe? Liebe zur Symmetrie? Antipoden, alle drei. Liebe ist Leben. Leben ist Chaos. Symmetrie ist der Versuch, dem Leben die Ordnung zur Seite zu stellen. Das Ordo indessen  zu lieben, heißt, das Leben zu hassen  – denn:

„Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“ (aus Vorrede zu Also sprach Zarathustra von Friedrich Nietzsche)

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