Die Unarten der systemischen Wucherung

Bildquelle: Schwammgesicht – Aka  / pixelio.de
Wenn über Jahrzehnte bestimmte Parteien ihrem grundgesetzlichen Auftrag entsprechen und an der „politischen Willensbildung des Volkes“ nicht nur nach Kräften mitwirken (Art. 21, Abs.1), sondern tatsächlich regieren, dann ist es ein systemimmanenter Vorgang, daß diese Parteien anstreben, den gebildeten Willen möglichst dem Erhalt der Regierungskraft eben dieser Parteien in den Dienst zu stellen.

Hierbei entsteht mehr und mehr ein Filz, ein komplexes Geflecht sich gegenseitig bedingender Organismen, die in enger Symbiose die gesamtgesellschaftliche Durchdringung fördern. Diese Organismen wirken völlig unterschiedlich, gehören aber doch – betrachtet man sie nicht phänotypisch, sondern in ihrem Wirkmächtigsein – zu ein und derselben Wucherung.
Doch die symbiotischen Organismen entwickeln nicht selten jene Unarten, die Selbstherrlichkeit begleiten:
Die Richtigkeit des eigenen politischen Willens sieht man nicht als bildungsrelevant an. Der herrschende Wille ist ja da, folglich offenkundig und unzweifelhaft.

„Maiori forsan cum timore sententiam in me fertis quam ego accipiam“ (Giordano Bruno) | Bildquelle: www.konterfrei.de

„Maiori forsan cum timore sententiam in me fertis quam ego accipiam“ (Giordano Bruno) | Bildquelle: www.konterfrei.de

Abweichungen haben den Stellenwert, den früher der Frevel, die Blasphemie einnahmen. Und selbst, wenn der Vergleich reaktionär ist, so drückte sich doch schon damals der Unmut in der Vergiftung des Diskurses und einem zuweilen fanatischen Auslöschungswahn der Inhaber des richtigen politischen Willens gegenüber den suspekten Abweichlern aus.
Verfilzte Systeme neigen dazu, einem riesigen Schwamm gleich, alles feine, sensibel Hinterfragende in der eigenen unförmigen Masse zu ersticken und gleichzeitig solche Charaktere nach oben zu schwämmen, denen es nicht nur inhaltliche Notwendigkeit, sondern charakterliche Freude ist, solche Gedankenverbrecher zu isolieren und ihre artikulierte Gegenwart zu liquidieren.
Das System okkupiert, durchdringt und überdeckt letztlich leichentuchartig alle gesellschaftlichen Bereiche. Seine Organismen sind im Einzelnen nicht unbedingt oder grundsätzlich bösartig. Aber das Ganze entartet letztlich zu einem lebens-, mithin freiheitsfeindlichen Syndrom.

Wenn nun ein feiner Freigeist dennoch abweichend sich äußert – nicht unbedingt durchdacht und eloquent, sondern in urwüchsigem Unmut und lediglich gefühltem Unbehagen – so mag er sich doch bitte nicht wundern.
Der freie Gedanke, das richtige Bauchgefühl sind für die überwucherte Gesellschaft eine tödliche Gefahr. Muß es dann wundern, daß das System sich wehrt?
Es ist unsinnig sich zu beklagen, daß das System sich wehrt. Es mag im Ganzen ein gefräßiger, tumber Moloch sein. Den Selbsterhaltungstrieb hat es doch wie jeder andere, noch so entartete Zellklumpen.

Immer vorneweg: Die Putztruppe - vom Taxifahrer, über den Bllizisten zum Waffenschieber. Charaktertypen. (Bildquelle: birgitH / pixelio.de)

Immer vorneweg: Die Putztruppe – vom Taxifahrer, über den Bellizisten zum Waffenschieber. Charaktertypen.
(Bildquelle: birgitH / pixelio.de)

Wenn nun jene, die von der Wucherung leben und sich an ihren Scheidungen laben, hysterisch reagieren, wenn die leckeren Pfründe und die sattsamen Töpfe in Gefahr sind und die ganze schmierige Verlogenheit ideologischer Verkrampftheit, die erst diese Töpfe entstehen ließ und seither füllte,  – dann hilft menschenfreundliche Empathie weiter.
Der Wirtschaftsjournalist, der Minderheitbeauftragte, der Schulbuchkommissar, bestallte und NGO-Gesinnungswächter, Gedankensterilitätsüberwacher, die Büroangestellten der Parlamentsfraktion, der Streetworker am Zoo, der Lobbyist für Gen(der)-Futtermittel, der Hormonbeauftragte, der ÖR-Talkmaster – sie folgen nur ihrer Natur und versuchen ihre dumpfe Angst vor der Wahrheit und deren Verbreitung durch katechisieren zu kaschieren.
Ihren symbiotischen Schulterschluß, sofern ihre Unförmigkeit als schwammiges Gebilde dieses Bild erlaubt, kann man wunderbar bei gemeinschaftlichen Auftritten – beispielsweise in TV Talkshows – sehen. Solche, die sich sonst in Sandkastenspielen allerhöchstens noch die Plastikförmchen um die Ohren hauen, rotten sich zusammen wie die Fliegen um den Herrn, sobald ihnen vom Spielekommissar, dem Talkmaster, ein Abweichler, ein Suspekter, ein Frager, ein Freier oder Befreiter in die Arena geworfen wird.
Jetzt wird keine Gürtelinie mehr übersehen, unter die man nicht  – in sattsamer Selbstentlarvung – treten müßte, getrieben von jenen Instinkten, die seit Jahrtausenden die Menschen zu ihren Hasswochen verleiten ließen.

Bildquelle: Tobby Toparkus / pixelio.de

Bildquelle: Tobby Toparkus / pixelio.de

Verleiten? Verleiten!
Denn es gehört zum Herrschaftswissen, daß Hass die Angst jener speist, die sich dem Konsens des Gleichmutes unterworfen haben und dem System, als willige Sklaven, gierige Vollstrecker sind. Nicht das divide et impera ist die mächtigste Waffe der herrschenden Klasse. Es ist die Angst. Die vergiftet den Diskurs, lechzt nach Denkverboten und Verfolgung.
Die, die sich dem System unterwarfen betäuben sich angsterfüllt, in dem sie „die Anderen“ denunzieren, anzeigen, verleumden, ihnen mieses Denken unterstellen, daß doch nur in ihrem, vom zähneklappern dröhnendem, Kopf entstehen können.
Nein! Außerhalb ihrer Höhle darf es nichts geben, schon gar nichts licht-leuchtendes. Das rührte an ihr reales Selbstverständnis. Fundamental.

Wundern wir uns also nicht. Erwarten nicht Fairness, Offenheit, Interessiertheit, Toleranz.
Das System, die Wucherung dessen, was einmal eine freiheitliche Demokratie werden sollte, führt nichts mehr und nichts weniger als einen Überlebenskampf.
Denn die Wahrheit ist sein Todfeind. Die Freiheit die Pode dieses Anti-Systems. Wahrheit und Freiheit speisen sich indessen ewiglich in der Beharrlichkeit des Rechtes. Aus sich heraus.
Hass hat auf dieser Seite nichts zu suchen.