Rolle rückwärts! Eine kleine Philippika für die Familie

Wenn ich nocheinmal dieses „nur Mutter“ lese oder höre…. „Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist“, heißt’s so schön in Goethes Faust, Zweiter Teil.
Egal ob prominente Steuersünder oder „ganz bewußt!“ kinderlos gebliebene Karrierefrauen – von oberlehrerhaften Frankfurter-Schule-Jüngern ganz zu schweigen: Seit Jahrzehnten schwadronieren sie von „überkommenen Rollenbildern“, die nicht mehr zeitgemäß seien.  Dieses böse Bild von der Mutter und dem Vater, die ihrer Pflicht und Natur folgen und sich voller Hingabe einer neuen Generation widmen. Wohlgemerkt: sich selbst widmen, nicht es „dem Staat“ überantwortend.

Nur, sie irren. Denn Mutterschaft und Vaterschaft sind keine Rollen. Es sind Berufungen.
Es ist ein Ruf der Wildnis und ein Ruf der Zivilisation. Ein Kind, geborenes Zeugnis der Liebe zwischen einem Mann und einer Frau, ja mehr noch: Ausdruck von Lebenswillen des Individuums, des neuen Bundes, einer Sippe und – viel unbewußter – von Stämmen und Völkern.

Es ist eine maßlose Frechheit der Postmoderne, daß sie den Menschen herauslöst aus dem Gesamtbild und der Ordnung der Schöpfung. Völlig selbstverständlich sehen wir im Frühjahr die Vöglein in nimmermüdem Fleiß sich balzen, ein Nest bauen, die Brut wärmen, schützen und nähren. Und so blödsinnig sind selbst die, die sonst so gerne modernes Zeugs nachplappern, nicht, daß sie satgen: Papavogel und Mamavogel machen Rollenspiele.
Aber bei dem Menschen, da soll es (nur) eine Rolle spielen? Nur, weil man sonst „ja nur seinen Job macht“ heißt das nicht, daß es keine Berufung, sondern nur Beliebigkeit gäbe.

Nachdem dieser dümmlich-schwatzhafte Zeitgeist es nicht vermochte, das Bild der Mutter durch Schimpflichkeiten wie „Heimchen am Herd“, etc. so nachhaltig zu schwächen, daß nun auch der letzte Dinosaurer erkannt hätte, daß der Drache Mahlzahn die beste Krippenwächterin wäre, ist es nunmehr der letzte Schrei, die Mutterschaft als Martyrium darzustellen, in welches die fertile Frau durch immerwährende Doppeltbelastungen durch Beruf und Familie gezwungen werde. Heklikoptereltern! heißt das Zauberwort und es entbehrt nicht einer gewissen Komik, daß der erste Helikopter von einer Frau geflogen und der Weltöffentlichkeit so eindrucksvoll vorgestellt wurde, daß diese dann reichliche 70 Jahre später ganz sicher ist, nun dieses ja zur Unzeit und deswegen gar nicht stattgefunden hat.

Hat sich die Frau, die sich in einen Mann derart verliebt, daß sie sich ein gemeinsames Kind mit ihm wünscht, noch mit der Vorstellung freudig angefreundet, dem Kind all ihre Nähe, Zärtlichkeit und gedeihliche Erziehung zu geben und sich dabei nicht von dem plärrenden „nur Hausfrau“ und „nur Mutter“ beirren lassen, droht die immer größer werdende Gemeinschaft derer, die es hinter sich hat, nicht will oder kann: Du bist abhängig! Du verlierst den Anschluß! Du alterst früher ob der Überbelastung!
Und dann wird noch auf die Vorgeneration gezeigt – mit nacktem, häßlichem Finger: Schau, diese Mütter haben auch nur verzichtet, gelitten, gedarbt!

Ja, diese Stimmen werden immer mehr – und sie sind lauter, denn sie stehen nicht an der Wiege und summen leise ein Schlaflied. Diese geifernden Stimmen sitzen nicht auf dem Boden und schauen gemeinsam mit dem Kind in langer Muße und mit viel liebevoller Weile ein Bilderbuch an. Diese keifenden Stimmen, in flitterhaft-bunten Fernsehstudios oder in internationalistisch-zersetzenden Yellow Press Schmierenblättern, übertönen das Knirschen der Räder des Kinderwagens, geschoben von der Mutter bei Wind und Wetter, dem Kind Begegnung mit vielfältigsten Sinneseindrücken vermittelnd.

Sinneseindrücke einer Welt der Äußerlichkeit, die in ihrer Agonie das neue Leben nicht mit Liebe bedenkt und das, was Leben schenkt, in ursächlichem Selbsthaß verfemt.

Was wir brauchen sind Mütter! Und es gibt kaum eine anspruchsvollere Berufung als die, einen Menschen ins Leben zu führen. Gesund an Körper und Seele, mit Freiheitssinn und Selbstbewußtsein, mit hoher Bildung und Mutterwitz. Mit Verlaub, diese Aufgabe zu erfüllen ist mit Sicherheit eine größere Herausforderung und endlos anspruchsvoller als alles das, was uns als Musterkarrieren aufgezeigt wird.
Wenn die Mutter sich dem vollends widmet. Widmen kann. Und wenn ihr die Gesellschaft nicht fortwährend ins Handwerk pfuscht oder ihr heimtückische Knüppel zwischen die Beine wirft.

Und: Was wir brauchen, sind Männer! Also, so richtige Kerle. Die, die zu ihrer Verantwortung stehen. Die, die ihrer Familie, den Müttern ihrer Kinder, den Rücken frei halten. Sie stärken, sie unterstützen.
Also so ziemlich das krasse Gegenteil von Typen, die nicht erwachsen werden (häufig ein typisches Ergebnis mutterarmer Kindheit), Abends am PC Computerspiele spielen – den Schirm der Basball Cap nach hinten gedreht – während die Frau den Kindern eine gesunde Quarkspeise zubereitet. Männer, die sich in die Pflicht nehmen, die Kinder in die Welt führen, gemeinsam mit der Frau und auch mal ohne sie, damit sie Zeit für sich, zur Regeneration(!) und Erkenntnis anderer Horizonte hat.
Gestandene Männer. Fleißig, arbeitssam, selbstlos und wenn’s drauf ankommt, entwickelte Persönlichkeiten für die Gefährtin und sorgende Väter den Kindern.

Achtung Kinder! (Norwegen, '13) | Arne Fischer

Achtung Kinder! (Norwegen, ’13) | Arne Fischer

Der Beginn der großartigsten Karrieren, die eine Frau und ein Mann machen kann, ist die Gründung einer Familie. Die Karriereleiter führt zu dem Baumhaus, welches der Vater mit den Kindern gezimmert hat und für das die Mutter mit den Kindern die Einrichtung erdenkt und erwirkt. Der Höhepunkt der Karriere ist es dann, wenn die Tochter den Zopf in den Nacken wirft, der Sohn den Knotenstock in die Faust nimmt und beide selbstbewußt und gut gerüstet das Elternhaus verlassen, und als Persönlichkeit in ihr eigenes Leben gehen.
Alles andere Beiwerk darf dem zuträglich gewesen sein. Ist es Selbstzweck, ist es Tod.