Seemannsgarn oder weil die EU kein sicherer Hafen ist

Warner gab es genug. Doch ihr Rufen wurde vom Pfeifen der Anderen übertönt. Und jetzt schallt es aus dem Walde zurück. Die, die pfiffen, haben das Schiff unterdessen längst verlassen.

Der geneigte Leser wird sich jetzt fragen, was Wald und Schiff miteinander zu tun haben.
Es sind die Bäume. Und die Rufer im Walde sind die, die ob ihrer scharfen Augen und Erfahrung im Mastkorb stehen und ausspähen, ob sich dunkle Wolken am Horizont türmen.

Unten, an Deck der Narrenschiffe im vermeintlich sicheren Hafen, sieht man anscheinend den Wald vor lauter (Mast-)Bäumen nicht. Wer allerdings denkt, mit dem, der pfiff, sei der Bootsmann gemeint gewesen, der sei an dieser Stelle enttäuscht: Nein, der Bootsmann geht – wenn überhaupt – erst kurz vorm Kapitän.

Doch die Narrenschiffe im Hafen der EU hängen mit einander vertaut in einem Hafen, dessen Kommandantur die Währung der Liegegebühren nivelliert hat. Fischerboot, Draggen, Kogge, Klipper und Galeone: Alle zahlen gleich. Mit gleicher Münze.
Gelöscht wird nach Quote. Ware, die verdirbt kriegt die See. Genauso wie die blinden Passagiere aus den Kolonien. Auch im Brackwasser dieses Hafens kann der Arme ertrinken.

Caspar David Friedrich [Public domain], via Wikimedia CommonsDerweil tut sich viel in der Hafenkommandantur. Eine neue Prisenordnung wird aufgestellt. Und der Schiffstyp soll vereinheitlicht werden: Auf die Galeere, damit nichts aus dem Ruder läuft. Bei Flaute – oder Meuterei.

Überhaupt ist man in diesem Hafen zunehmend Anhänger von disziplinierter Ordnung unter Deck. Dafür wird auch fleißig getrommelt. Von den Smutjes, die Murdoch, Berlusconi, Springer oder ganz anders heißen mögen. Sie kochen ihren verdorbenen Brei.
Die Herren des Hafens (nicht die eigentlichen) gehen mit gutem Beispiel voran und verkünden die Alternativlosigkeit dieses Zusammenwirkens der Kräfte im Bauch der Galeeren. Die Kommandantur nennt sich kommissarisch Siphonophora* und sendet ihre Troikas von Boot zu Boot, von Schiff zu Schiff.

Einerseits, um den verbliebenen Pfeifern sicheres Geleit zu geben; andererseits um marodierend den Umstieg vom bewährten auf den neuen Schiffstyp mit ordnender Hand zu gestalten.

Und genau das geht am besten dadurch, daß man die Fender einholt, sobald die See kabbeliger wird. Dann schlagen die ehernen Rümpfe herrlich aneinander. Den Neuordnern ist’s eine Lust.

In der Hafeneinfahrt liegen Monitore. Wer wollte hier den Anker lichten und auf hoher See in Gottes Hand zu sein und Gerechtigkeit zu suchen?

Die Wahl ist eindeutig: In einer Armada von Galeeren bei Sturm zerschlagen zu werden. Das ist die Cholera. Oder, aneinandergekettet und vertäut, von der Hafenwelle erreicht und verdorben zu werden. Das ist die Pest. Womit wir wieder bei denen wären, die das sinkende Schiff immer rechtzeitig zu verlassen trachten.
Solange unser Kapitän eine pyramidol abgetakelte Fregatte ist, bei der einzig und allein noch der Verklickerintakt ist, solange wird der Rumpf unseres Schiffes die anderen beschädigen. Und sich selbst.

* Staatsqualle (z.B. Portugisische Galeere), bestehend aus Hunderten von Polypen