Totalitäre Charaktertypen

Welch ein Mißgriff. Es waren kluge Leute, die aus den verheerenden Auswirkungen der Terrorregimes des 20. Jahrhunderts und dessen, was in sie führte, Lehren ziehen wollten.
Nein, Sie wollten nicht Lehren ziehen, sie wollten all jene lehren, belehren, die in diesen Regimes gelebt, gewirkt und/oder gelitten hatten.
Sie waren die Lehrer, die Gesellschaft die Schule, die Leute Schüler – in Einzelfällen immerhin Scholasten.

Bild: JvD (5/14)

Fleißige Eichhörnchen (Bild: JvD (5/14))

Und was macht ein rechter Pauker, der ernsthaft glaubt – Wissen ist da viel zu undogmatisch und krude positivistisch – seine Schüler sind zu un-umerzogen: Brechen und neu aufbauen!
Das, was die Menschen also auszeichnete – ihre Gabe zur Lösung von Konflikten durch Urteilsfähigkeit, die Lösung der Konflikte selbst durch Gerechtigkeit und die Vermeidung von Konflikten durch die Förderung der Entwicklung tiefer Persönlichkeiten – waren diesen Paukern Stolpersteine auf dem Weg zur Auflösung sämtlicher Widersprüche ihrer Klassen und Vielfalt innerhalb derselben.
Brechen und neu aufbauen!
Das geht am besten mit einer Umwertung aller Werte. So ein Schüler kommt ja schlimmstenfalls aus einer Familie, die ihn mit einem ganzen Ballast überkommener Haltungen zu den Dingen, der Welt und über diese hinaus beschwert, verwurzelt. Und es war nicht die Haltung, sondern das Disziplinarvergehen einer Haltung an sich, die es den Schülern auszutreiben galt. Eine Haltung zu haben – ein Mißstand auf dem Weg zum neuen Menschen in einer schönen neuen Welt.
Die Vorgehensweise war stringent, überaus logisch und konnte dabei auf die wesensverwandten Erkenntnisse der Psychoanalyse, mit derer vorzüglichen Vor- und Erdenkern mancheiner der Oberpauker in engstem Kontakt stand und wo sich ein essenzieller Austausch entwickelt hatte:
Wie breche ich das, was ich neu aufbauen muß, damit es nimmer Teil einer Gemeinschaft der Totalität würde, sondern einzig vereinzeltes Einzelglied einer Gesellschaft werde?
Wurzeln kappen!
Und welcher Schüler möchte schon verwurzelt sein in einer Gesellschaft der Widersprüchlichkeit, die unfassbare Kriege und unfassbare Verbrechen zuließ?
Wurde dem Schüler klar(gemacht), daß seine Wurzellosigkeit ihn von der lähmenden Last der blutig dampfenden Erde befreien könnte, in der alles Wurzelwerk sich doch nährte, dann war er reif für’s Internat.
In neuen Ideologiewelten interniert und mental kaserniert aufgebaut zu werden – welch eine Befreiung!
Solche leere Blätter – selbstens geschaffen wie ein Homunculus – zu beschreiben und sie resistent zu machen, gegen jeden Zweifel ob der Richtigkeit dessen, was nun eingepaukt wurde als Gedankengebäude des Grabfriedens jedes Diskurses. Eine kongnitive Wonne.
Und da der Mensch ein so widerspenstiges Wesen ist, dabei auch hin und wieder den Blick zurück wagt, nach oben, gar nach vorn, war ihm, diesem ewig unbelehrbaren Schüler, alles zu nehmen, was ihn vom rechten Weg des folgsamen Strebers ablenken konnte. Noch besser, sein Unterbewußtsein, in dem noch diese reaktionäre Natur und ihre Bindungsfreue lebte, sollte den Frust, den inneren Unfrieden nähren, den die Metabene der Persönlichkeit – das geschulte Über-Ich – im Wesen barg.
Und jene Schulschwänzer, renitent-aufsässige Klassenkasper und überhaupt alle Suspekten lernten alsbald, das Frust und Unfrieden eine böse Waffe solchen Schulsystems sind.
Die frustriert-unfriedlichen Kampfbünde(!) waren die hervorragenden Teile der Schülerschaft des Systems, willfährig bereit, Willkür zuverwirklichen.
Freiheitsgeist, Stolz, Ehre, Tapferkeit – ja auch widerspenstige Aufsässigkeit:
Wer verbindet das nicht mit den frechen Narren? Aber es sind Tugenden des Menschen an sich.
Tugenden, wie auch Verständigkeit, Kompromißfähigkeit und Friedfertigkeit.
Alles nichts geeignetes jedenfalls, um die Menschen davon abzuhalten, Unterschiede zu machen, wo sie es nicht sollen.
Die anderen Schüler, die folgsamen und genüglichen unter ihnen zumindest, lernten begierig und bindungslos.

Wenn die Schublade für Suspekte zu klein wird, muß eben eine Truhe her. Hauptsache Ruhe. (Bild: Arne Fischer)

Wenn die Schublade für Suspekte zu klein wird, muß eben eine Truhe her. Hauptsache Ruhe. (Bild: Arne Fischer)

Und somit entstand eine Gesellschaft ehemaliger Schüler, die Tugendhaftigkeit verachten lernte und in welcher der, der von Tugend sprach oder tugendsam leben wollte – armer oder reicher Sünder – im besten Falle mißtrauisch beäugt, im schlechten Fall jedoch als Suspekter ausgesondert und behandelt ward.
Kritische Rationalisten, die das alles nicht so klar abgegrenzt wahrzunehmen willig waren, mußten sich alsbald in einer Schublade wiederfinden, in der es alt und modrig roch, wo sie aber für die Pauker und ihre willig vollstreckenden Schüler nunmal hineingehörten. Und jedes Interesse an anderen Positionen, bei gleichzeitiger Hinterfragung der eigenen, war nur noch Querfront, Neurechts oder – in jener Augen – Schlimmeres.
Und das Heer der Menschen, die tugendbefreit und das edle, hilfreiche und gute in ihnen unterdrückend leben (sollen), ist unübersehbar. Und diese Vielheit zeigt sich besonders geeignet dort, wo Ehrlichkeit und Neugier auf Andersartigkeit – ebenfalls systemgefährliche Regungen des Charakters – mit völliger Abwesenheit glänzen: Überall dort, wo Menschen so erzogen werden, wie es den neuen, braven* Menschen braucht: An Schulen, in Medien, in der Politik.
Aber was will man den Lehrern und ihren Schülern vorwerfen?

Scheiterhaufen oder Lagerfeuer? (Bild: A.Fischer)

Scheiterhaufen oder Lagerfeuer? (Bild: A.Fischer)

Nicht viel, aber Entscheidendes. Egal, ob sie es von Anfang an ehrlich meinten und echte Menschenfreunde waren, die aus den ewigen Fehlentwicklungen menschlicher Gesellschaften ihre Lehren zogen und konklusiv meinten, nur eine völlige Neuordnung nach restloser Ausmerzung des Alten, könnte das Problem endgültig lösen – oder, ob sie von Anfang an einfach nur einer bösen Ideologie aufgesessen (bzw. Schöpfer) sind, die gar nicht ALLER Menschen Freund wäre: Irgendwann müssen(!) die Lehrer erkannt haben, daß der Grund allen Übels – Unfrieden, Verfolgung, Ausbeutung, Verhetzung – gar nicht in den Weltanschauungen und originären Formen des Zusammenlebens liegt, sondern darin, daß es einfach miese Charaktere gibt.
Aber, wie sie sich diese miesen Typen zu Nutze und zu Eigen gemacht haben zeigt, daß sie den Mechanismus, die Korrelation von Scheißsystem und Ekelpaket verstanden haben.
Sie verloren ihre Unschuld – spätestens -, als sie weiter an der Zerstörung von Bindung und Herkunft, von Gemeinschaft und Gemeinsinn wirkten und die, die vor diesem Vernichtungswerk warnten, durch ihre Sturmabteilungen der Ausgrenzung und Stigmatisierung zersetzen und verletzen ließen.
Und diese Charaktere haben eine hervorragende Witterung für Konstellationen, die ihnen die Möglichkeit zum Ausleben ihrer widerlichen Art geben: Wir finden diese miesen Charaktere in der gesamten Menschheitsgeschichte (Geschichte = es gibt Quellen) immer dort, wo über andere Menschen geherrscht wird oder zumindest der Griff nach der Herrschaft stattfindet.
Wir finden sie als Quäler von Sklaven und  Tieren, von religiös oder ethnisch Andersartigen, wenn Minderheiten verfolgt werden können, wenn Andersdenkende bespitzelt, angeschwärzt und im Umfeld ausgegrenzt werden dürfen.
Wir sahen solche Menschen als Tschekisten, als Kapos, als SS-Einsatzgruppenmänner, Kampfhubschrauberpiloten über Bagdad. Wir sahen solche Charaktere, wenn sie in Gorleben Polizisten verprügelten und vom Einsatzleiter des Staatsschutzes ihre 23 Silberlinge dafür bekamen, und wir sahen sie in Frankfurt, als sie befehlsgemäß den „Schlagstock frei!“ gegen friedliche Okkupanten machten. Wir sahen sie seit der Machtübergabe an jenem 30. Januar ihre Gegner quälen und morden, und wir sehen heute Menschen, die genauso lustvoll als sogenannte Antifa – im mißbrauchten Namen des Antifaschismus – bespitzeln, anschwärzen, zersetzen und verletzen.
Diese Charaktere – die für alles Unheil mehr verantwortlich sind, als jede Ideologie es vor ihresgleichen Einmischung jemals sein könnte -, die Anschauungen okkupieren, umformen und umwerten, damit diese in ihren Kram passen und Möglichkeit geben, die Umwelt zu quälen,-  diese Charaktere hat das System zu seinen Schullotsen gemacht. Und das System liest begierig, was ihre losgelassenen Zöglinge ins Schulbuch eintragen.

Fittich - geborgen im Schutze des Flügels einer B52. Der militärisch-industrielle Komplex bietet neue Möglichkeiten

Fittich – geborgen im Schutze des Flügels einer B52. Der militärisch-industrielle Komplex bietet neue Möglichkeiten

Selbst wenn einstmals der Wunsch nach Frieden der Antrieb war, die Menschen aus ihrem Herkommen zu reißen und monsantogedüngt umzutopfen – die Unschuld ging verloren, als man sich mit dem ewigen Feind des Menschen einließ: Dem Menschen in seiner niedrigen Form selbst. Danach war alles Lüge, danach war alles nur noch Machterhalt
Und mit diesem System, welches die Charakterschweine braucht, um zu überleben, müßen sich jetzt die Klassenkasper, Narren, „Spinner und Verrückte“ herumschlagen – und wollen es eigentlich gar nicht.
Sie wollen nur ehrlich, friedfertig und liebevoll ihre Welt gestalten.
Und sie wollen gegen Ausbeutung der Menschen und der Umwelt, derer ein Teil er ist, aufstehen können.

Doch kaum tun sie es, kommen schon diese bösen Wichte und treten ihnen hinterrücks in die Kniekehlen.
Sie tun’s gern, denn schon zittern ihre Lefzen in freudiger Witterung: Der Globalismus verheißt neue Möglichkeiten zu quälen. Dann dient man eben ihm in der Bekämpfung derer, die die Vielfältigkeit lieben.

Welch ein Mißgriff.