Von der Feigheit der hasserfüllten Gesinnungswächter

Es gibt selbsternannte oder fremdbestimmt-bestallte Grüppchen, die ihre ganze Energie der Protektion und Ausbreitung von Partikularinteressen widmen. Mit gleicher Verve stürzt man sich auf jede kleinste Artikulation von Zweifeln daran, daß das Partikulare etwas mit der Wohlfahrt der gesamten Gesellschaft zu tun haben könnte. Nicht, daß man sich in einen gewünscht fruchtbaren Diskurs stürzte. Beileibe nicht. Vielmehr werden alle Register gezogen, die der Giftschrank faschistoiden Dogmatismus so bereithält.

So richtig viel Mut gehört nicht dazu, Euro-Kritiker als Antieuropäer brandmarken zu wollen. Auch Frauenlob und Familienförderung holt die Beck(messer)’s auf den Plan, samt quäkigem Gezeter und Herdphobien. Wer’s bunt mag, hat die One-World-Tuschwasserfront gegen sich und Geschichte soll bloß nicht als Wissenschaft, sondern höchst gefälligste Guido-Knopp’sche Formel der Volkspädagogik definiert sein.

Diese Grüppchen finden sich überall, wenn gegen beharrlicher, bremsender Bürger Wortmeldungen zu Felde gezogen wird. Zu Felde ist dabei durchaus euphemistisch. Es sind eher Hasswochen erster Güte oder aber Hintertüraktionen. Man geht zum Staatsschutz und schwärzt an, man bedrängt die Vermieter von Veranstaltungsorten, man schreibt Namen ins Netz oder in die Zeitung. Denn „was in der Zeitung steht“, das kann man getrost nach Hause tragen. Oder an den Arbeitsplatz.

Es ist ein ganzes System von Anschwärtzern, Meldegängern, Beobachtern, Analysten entstanden, daß sich gegenseitig erhält, symbiotisch im engeren Kreis – parasitär vielleicht, hat man das Ganze im Fokus.
Und genauso natürlich backt man kleine Brote. Wes Brot ich eß, des Wort ich red – und sein es noch so schmallippig haßerfüllt.
Denn von Haß ist da eine ganze Menge mit im Spiel. Das erkennt man früh an der Unredlichkeit der Argumente und – zu spät -, wenn echter Vernichtungswille gegenüber dem Andersdenken ins Spiel kommt, dessen einzige Freiheit in der Wahl des Untergangs bestehen darf: Mit wehenden Fahnen oder in der Aufgabe der eigenen Ideale.

Aber was speist den Haß? Ist das nicht der Kern der Frage – und der Lösung, wenn man die verhärtet-verkrampfte Brust dieser Armen lösen möchte?
Der gewiß sichere Arbeitsplatz und ein ordentliches Auskommen für den Dienst am faschistoiden System allein kann diese Bitterkeit nicht ausreichend nähren. Im Gegenteil: Existentielle und soziale Sicherheit führen eher zu jener Gelassenheit, mit sich selber ins Reine und dem Umfeld in interessierte Interaktion treten zu können. Wer hat das schöner dargestellt, als Maslow mit seiner „Bedürfnispyramide“?

Vielleicht hilft das optimistische Menschenbild weiter: Jene Armen spüren im Innersten, daß sie auf diesem Feld keine Ehre gewinnen können. Es heißt doch so schön „Viel Feind, viel Ehr“. Und auf der Seite des viel Feindschaftlichen stehen sie.
Die Seite derer, die der Natur, dem Gewachsenen und der gemeinschaftlichen Wohlfahrt mit Krieg drohen und zu sie verheeren trachten. Sie stehen auf der Seite der Starken, der Ausbeuter, der Unterdrückung der Freiheit. Ihre Verbündeten sind der Euro-Zentralismus, die Rasterfahnder, die Gendernivellierer. Ihre Geldgeber sind unmittelbare Derivate der Finanzindustrie, die Kriege um Rohstoffe und Einflußsphären, Religionen und Prophetien führen.

Sie wissen nicht, sie spüren ihre Erbärmlichkeit. Denn sie haben sich verkauft. Und aller resultierender Selbsthaß wird umgelenkt auf die, die nicht hassen wollen.
Denn sie haben etwas, was sie lieben: Die Schöpfung, die Familie, die Heimat, die Freiheit. Und Liebe ist das bewahrende Elixier, welches man wünschte, sie würden davon kosten können.

Bildquelle: Rike  / pixelio.de